Das G29 ist ein Präzisions- und Scharfschützengewehr des deutschen Herstellers C.G. Haenel. Es wird vor allem von den Spezialkräften der Bundeswehr eingesetzt und ist für präzise Schüsse über große Entfernungen bestimmt. Grundlage des G29 ist das Haenel RS9. G29 ist die Bezeichnung, unter der dieses Gewehr bei der Bundeswehr geführt wird.
Der Buchstabe G steht für Gewehr. Die Zahl 29 ist eine von der Bundeswehr vergebene Modellnummer und bezeichnet weder das Kaliber noch das Jahr der Entwicklung.
Funktionsweise
Das G29 ist ein Repetiergewehr. Nach jedem Schuss muss der Schütze den Verschluss von Hand öffnen und wieder schließen. Dabei wird die leere Patronenhülse ausgeworfen und eine neue Patrone aus dem Magazin in das Patronenlager geschoben. Erst danach kann der nächste Schuss abgegeben werden.
Dieser manuelle Ladevorgang ermöglicht keine so schnelle Schussfolge wie bei einem Selbstladegewehr. Bei einem Präzisionsgewehr kommt es jedoch vor allem darauf an, einzelne Schüsse möglichst genau abzugeben. Der stabile Verschluss und die auf Präzision ausgelegte Konstruktion unterstützen dieses Ziel.
Das herausnehmbare Magazin fasst zehn Patronen. Die Schulterstütze kann an die Körpermaße und die Anschlagposition des Schützen angepasst und für den Transport seitlich eingeklappt werden. Ein Zweibein stützt das Gewehr beim Schießen im Liegen oder von einer festen Auflage ab.
Kaliber und Reichweite
Das G29 verwendet Patronen im Kaliber 8,6 × 70 Millimeter, die auch als .338 Lapua Magnum bezeichnet werden. Die erste Zahl steht ungefähr für den Durchmesser des Geschosses, die zweite für die Länge der Patronenhülse.
Diese Patrone wurde für präzise Schüsse auf große Entfernungen entwickelt. Ihr Geschoss behält über eine lange Flugstrecke eine hohe Geschwindigkeit und Energie. Es wird außerdem weniger stark durch Wind beeinflusst als leichtere Geschosse kleinerer Kaliber. Wind, Lufttemperatur, Luftdruck und die Entfernung zum Ziel müssen dennoch berücksichtigt werden.
Die Bundeswehr gibt für das G29 eine maximale Kampfentfernung von 1.500 Metern an. Damit ist die größte Entfernung gemeint, auf die das Waffensystem unter geeigneten Bedingungen noch gezielt eingesetzt werden kann. Die Angabe bezeichnet nicht die größtmögliche Flugweite des Geschosses. Dieses kann erheblich weiter fliegen, ohne dort noch einen gezielten Schuss zu ermöglichen.
Die Bezeichnung Scharfschützengewehr mittlerer Reichweite bezieht sich auf die Einordnung innerhalb der verschiedenen Präzisionswaffen der Bundeswehr. Sie bedeutet nicht, dass das G29 nur für gewöhnliche oder kurze Entfernungen vorgesehen ist.
Visiere und weitere Ausstattung
Zum G29 gehört ein Zielfernrohr mit fünf- bis 25-facher Vergrößerung. Bei fünffacher Vergrößerung lässt sich ein größerer Bereich überblicken. Die stärkeren Vergrößerungen erleichtern das genaue Anvisieren weit entfernter Ziele. Ein zusätzliches Rotpunktvisier kann verwendet werden, wenn ein Ziel auf kurze Entfernung schnell erfasst werden muss.
Zur Ausrüstung können außerdem ein Laserentfernungsmesser und ein Ballistikrechner gehören. Der Entfernungsmesser bestimmt den Abstand zum Ziel. Der Ballistikrechner hilft dabei, den voraussichtlichen Geschossabfall und den Einfluss äußerer Bedingungen zu berücksichtigen. Diese Geräte ersetzen jedoch nicht die Ausbildung und Erfahrung des Schützen.
Abmessungen und Gewicht
Der Lauf des G29 ist etwa 685 Millimeter lang. Nach Angaben der Bundeswehr wiegt das vollständig ausgerüstete Gewehr rund 7,9 Kilogramm. Das zugrunde liegende Haenel RS9 ist ohne Anbauteile etwas leichter. Unterschiede bei Gewichts- und Maßangaben entstehen deshalb häufig dadurch, dass Zielfernrohr, Zweibein und weitere Ausrüstung mitgerechnet werden oder unberücksichtigt bleiben.
Das vergleichsweise hohe Gewicht erschwert den Transport, trägt beim Schießen aber zu einer ruhigen Lage der Waffe bei. Die verstellbare Schulterstütze, die Wangenauflage und ein kleiner Erdsporn am hinteren Ende ermöglichen eine stabile und an den Schützen angepasste Position.
Einsatz bei der Bundeswehr
Das G29 ergänzt die verschiedenen Scharfschützen- und Präzisionsgewehre der Bundeswehr. Es wird hauptsächlich beim Kommando Spezialkräfte eingesetzt. Seine leistungsstarke Patrone und die umfangreiche Zielausrüstung machen es besonders für große Entfernungen und schwierige Umweltbedingungen geeignet, etwa im Gebirge, an Küsten oder auf See.
Das G29 ist somit kein gewöhnliches Gewehr mit einem besonders starken Zielfernrohr. Lauf, Verschluss, Schaft, Munition und Zieltechnik bilden ein aufeinander abgestimmtes Waffensystem, dessen präziser Einsatz eine umfangreiche Ausbildung voraussetzt.