Kapitel 1 – Unter Beobachtung


Alexandra stand am Südhang des Teutoburger Waldes, etwa drei Kilometer von Lengerich entfernt, tief im dichten Buschwerk. Junge Buchen, Brombeersträucher und niedriges Gestrüpp umgaben sie fast vollständig. Zwischen den Blättern fiel nur wenig Licht auf den Waldboden.
Sie trug eine schwarze Sturmhaube. Ihre Haare hatte sie straff zusammengebunden und unter dem Hemd verborgen. Das olivgrüne Hemd, die schwarze Cargohose, die schwarzen SWAT-Boots und die dünnen schwarzen Baumwollhandschuhe ließen sie zwischen Blättern, Ästen und dunklem Waldboden nahezu verschwinden. Seit einer Stunde wartete sie auf die Zielperson.
Über ihrer Schulter hing das G29 an einem Tragriemen – ein Scharfschützengewehr, das auch von den Spezialkräften der Bundeswehr eingesetzt wurde. Es war mit Präzisionsmunition im Kaliber .338 Lapua Magnum geladen. Das Zielfernrohr mit bis zu 25-facher Vergrößerung war für große Entfernungen ausgelegt; die Reichweite des Gewehrs lag bei rund 1.500 Metern.

Ihr Blick lag auf dem Feldweg, der schnurgerade auf den Wald zulief und kurz vor dem Rand in einem sanften Bogen nach Westen verlief.

Von Alexandras Position aus fiel das Gelände flach nach Süden ab. Zwischen den Sträuchern hatte sie freie Sicht auf mehrere hundert Meter des Feldweges. Wer sich dort näherte, war lange zu sehen, bevor er den Waldrand erreichte. Alexandra selbst blieb hinter dem dichten Bewuchs verborgen.

Sie hob den linken Arm und sah auf ihre Apple Watch.
6:47 Uhr. Wenn Heiko Sandner seine morgendliche Trainingsroutine einhielt, würde er in wenigen Minuten auftauchen.


Heiko Sandner war der operative Kopf dessen, was das BKA intern den Hansering nannte – eine Drogenorganisation, die fast den gesamten deutschen Markt und weite Teile der Benelux-Länder beherrschte. Ein Teil der Gewinne floss an eine Terrorzelle, die sich selbst als vierte Generation der RAF verstand. Damit war Sandner nicht mehr nur eine Sache von Polizei und Staatsanwaltschaft, sondern ein Sicherheitsrisiko mit politischer Sprengkraft.

Strafrechtlich blieb er unangreifbar. Er tauchte in keinem Geschäft selbst auf, ließ Weisungen über Mittelsmänner laufen und hielt sich aus allem heraus, was sich ihm direkt zuordnen ließ. Für eine Anklage reichte das nicht. Deshalb hatte man Alexandra geschickt.


Durch ihr Fernglas, ein Leica Ultravid 8×20, sah sie zwei Personen auf dem Feldweg, etwa einen Kilometer entfernt, direkt auf sie zukommen. Auf diese Entfernung waren zunächst nur ihre Gestalten und Bewegungen klar zu erkennen, nicht ihre Gesichter. Für die Beobachtung nutzte sie lieber das handliche Glas, als schon jetzt reglos hinter dem Gewehr zu verharren. Stundenlang auf dem Bauch zu liegen, belastete selbst bei trainierten Leuten Rücken, Nacken und Schultern. Als die beiden nur noch 800 Meter entfernt waren, sah sie durch das Zielfernrohr ihres Scharfschützengewehrs, das vor ihr auf einem Zweibein ruhte. Jetzt konnte sie beide eindeutig identifizieren. Es waren Sandner und einer seiner Leibwächter, Dirk Ostrowski – ein skrupelloser Mann, der wegen Vergewaltigung, schwerer Körperverletzung, Bankraubs und anderer Delikte mehrfach vorbestraft war.
Sie beobachtete Sandner seit vierzehn Tagen und wusste so gut wie alles über ihn: wann er aufstand, wann er das Haus verließ, mit wem er sich traf, wo er zu Mittag aß. Heute war es das erste Mal, dass er nicht allein lief.
„Ausgerechnet heute“, murmelte sie leise.
Es war kein Ärger. Eher dieses kurze, kalte Innehalten, in dem sich ein Plan auflöste und sofort ein anderer an seine Stelle trat.


Sie ließ die beiden näher herankommen und verfolgte durch die Zieloptik, wie sie auf dem Feldweg Schritt für Schritt größer wurden. Gleichzeitig dachte sie die nächsten Sekunden bereits bis zum Ende durch. Wenn sie Sandner erschoss, würde es ein bis zwei Sekunden dauern, bis Ostrowski begriff, was geschehen war. Danach würde er vermutlich den Weg so schnell wie möglich zurückrennen. Der Feldweg verlief offen zwischen den Bäumen und dem angrenzenden Gelände. Deckung gab es dort keine. Sie würde ihn bekommen, egal, wie schnell er rannte.

Sie legte das Fadenkreuz auf Sandners Kopf. Plötzlich blieb er mitten auf dem Weg stehen und zog sein Mobiltelefon aus der Tasche seiner Sporthose. Im selben Moment hörte Alexandra die Stimme ihres Einsatzleiters im Kopfhörer.

„Quiet Panther, hier Backbone. Abbruch. Operation Morgenrot sofort abbrechen. Bestätigen Sie.“

Alexandra hielt Sandner weiter im Visier. Sein Kopf füllte nun deutlich mehr von der Zieloptik aus als noch wenige Minuten zuvor. Da er telefonierte und stillstand, nahm sie sich die Zeit zu antworten.

„Backbone, hier Quiet Panther. Operation Morgenrot bereits abgeschlossen.“

Die Stimme des Einsatzleiters kam scharf zurück und hatte einen Unterton, den Alexandra nicht einordnen konnte.

„Quiet Panther, hier Backbone. Wiederholen Sie.“

Alexandra wiederholte den Funkspruch und fügte hinzu: „Code 17.“ Code 17 stand für die Gefahr, entdeckt zu werden, und bedeutete den sofortigen Abbruch jeder weiteren Kommunikation. Sie schaltete die Funkverbindung ab.

Die Stimme in ihrem Kopfhörer verstummte. Zwischen den Bäumen war wieder nur das leise Rascheln der Blätter zu hören. Warme Frühsommerluft lag am Hang, und der Duft von Erde und feuchtem Laub zog aus dem Buschwerk herauf. Alexandra spürte das Gewehr ruhig in ihren Händen. Durch die Zieloptik sah sie Sandners Gesicht, während er mit dem Mobiltelefon am Ohr mitten auf dem Feldweg stand.


Dass diese beiden Männer für das Leid zahlloser Menschen verantwortlich waren, stand für Alexandra außer Frage. Ebenso wenig zweifelte sie daran, dass sie weiteres Leid verursachen würden, wenn sie jetzt nicht handelte. Für Alexandra hatten Sandner und Ostrowski ihr Recht auf Weiterleben verwirkt – und zwar jetzt. Basta.

Sandner stand 750 Meter entfernt auf dem Feldweg und telefonierte noch immer. Durch das Zielfernrohr wirkte die Entfernung zusammengeschoben. Sein Oberkörper füllte einen Teil des Sichtfelds, dahinter lagen der helle Weg und die Felder in der Morgensonne.

Im Zielfernrohr lag das Absehen aus feinen Linien und kurzen Markierungen über dem Bild. In seiner Mitte glomm ein winziger roter Punkt, kein grelles Licht, eher ein kleiner Glutkern. Alexandra setzte ihn zwischen Sandners Augen und führte ihn wenige Zentimeter nach oben, knapp oberhalb der Nasenwurzel. Sie hielt das Gewehr ruhig. Ihr Finger lag am Abzug. Einen Wimpernschlag später verließ das Geschoss den Lauf mit einer Geschwindigkeit von 900 Metern pro Sekunde.

Während Sandner telefoniert hatte, war Ostrowski einige Schritte weitergegangen. Er stand seitlich versetzt vor ihm auf dem Feldweg, eine Zigarette zwischen den Fingern, den Kopf über sein Handy gesenkt.

Plötzlich krachte es unmittelbar neben ihm, kurz und scharf wie ein Peitschenhieb. Der Überschallknall der Gewehrkugel traf ihn völlig unvorbereitet. Sie war kaum einen halben Meter an ihm vorbeigeflogen.

Ostrowski zuckte zusammen. Sein Kopf fuhr hoch, die Hand mit der Zigarette blieb halb angehoben. Für einen Moment stand er reglos da, als müsste er erst begreifen, was dieses Geräusch bedeutete. Dann erreichte ihn aus dem Wald vor ihm der dumpfe Mündungsknall. Der Schuss hallte über die offene Landschaft und verklang.

Ostrowskis Augen weiteten sich. Er riss den Blick vom Handy und sah hektisch über den Feldweg, die angrenzenden Felder und hinüber zum Wald. Hinter ihm brach Sandner zusammen. Als sein Körper auf dem Feldweg aufschlug, war er bereits tot.


Nachdem Alexandra den Schuss abgegeben hatte, repetierte sie. Der Bewegungsablauf saß so tief, dass sie nicht darüber nachdenken musste. Im nächsten Moment war das Gewehr wieder schussbereit.

Sie war überrascht, wie langsam Ostrowski reagierte. Er blieb stehen, drehte sich zu Sandner um und starrte sekundenlang wie gelähmt auf ihn herab. Alexandra hielt ihn währenddessen ruhig im Zielfernrohr. Der kleine rote Glutpunkt lag bereits auf seinem rechten Schultergelenk.

Für einen flüchtigen Moment war da der Impuls, Ostrowski nicht sofort zu töten. Ein Schuss in die Schulter würde ihn zu Boden bringen. Danach hätte sie Zeit. Zeit, ihn für sein schlimmstes Verbrechen leiden zu lassen: die Vergewaltigung einer jungen Frau.

Unvermittelt drängten sich Erinnerungsfetzen aus ihrer eigenen Vergangenheit in ihr Bewusstsein. Die Vergeblichkeit, mit der sie sich gewehrt hatte. Die Stromfolter, die sie dazu gezwungen hatte, ihm hörig zu werden. Die flammenden Schmerzen in ihrem Unterleib. Danach die Anschuldigungen, die sich gegen sie selbst richteten und nicht gegen ihren Peiniger Julian Schröder. Ihre eigene Familie, die Presse und schließlich die Justiz hatten sie als Lügnerin dargestellt. Und mit jeder Zurückweisung war die Verzweiflung größer geworden.

Alexandra zwang ihre Gedanken zurück auf Ostrowski. Es durfte nie persönlich werden. Eine Grenze, die sie niemals überschreiten wollte. Während der rote Punkt unverändert auf seiner Schulter lag, wurde ihr bewußt, wie gefährlich nah sie dieser roten Linie gekommen war.

Langsam krümmte sie den Zeigefinger. Für den Bruchteil einer Sekunde haderte sie mit sich. Dann verschob sie das Gewehr nur um wenige Millimeter. Im Zielfernrohr glitt der rote Glutpunkt von Ostrowskis Schulter nach oben und blieb auf seinem Hinterkopf liegen. Alexandra drückte den Abzug konzentriert durch.

Der zweite Schuss brach durch die Stille des sonnigen Frühsommertages. Die Kugel traf ihn in den Kopf. Über dem Feld zog ein Mäusebussard seine Kreise und stieß seinen langgezogenen, miauenden Schrei aus. Ostrowski hörte ihn nicht mehr.


Alexandra betrachtete die beiden Männer durch das Zielfernrohr. Sie lagen reglos auf dem hellen Feldweg, mehrere Meter voneinander entfernt. Beide waren zweifellos tot. Dann nahm sie das Auge vom Okular, griff zum Fernglas und suchte das Gelände nach möglichen Beobachtern ab.

Es hätte sie gewundert, wenn um diese Uhrzeit in dieser verlassenen Gegend jemand unterwegs gewesen wäre. Alexandra folgte mit dem Fernglas dem schnurgeraden Feldweg, der sich durch die weitläufigen Rapsfelder zog. Danach ließ sie den Blick langsam über das offene Gelände wandern. Sie überprüfte die Felder selbst, einzelne Fahrspuren zwischen den Pflanzen, die Feldraine und die entfernten Übergänge zu Wiesen und Baumgruppen. Auf dem weithin einsehbaren Areal hätte sich kaum jemand unbemerkt nähern können. Schließlich kehrte sie mit dem Fernglas zu den beiden Toten zurück. In diesem Moment schob sich von oben etwas Dunkles in ihr Blickfeld.

Alexandra hob das Fernglas ein wenig an und stellte auf das Flugobjekt scharf. Eine Drohne sank über dem Feldweg herab und näherte sich den Leichen. Sie war kaum größer als ein Krähenvogel und besaß einen gedrungenen, dunklen Rumpf mit vier kurzen Auslegern, an deren Enden die Rotoren saßen. Im Fernglas waren ihre schnellen Umdrehungen nur als verschwommene Scheiben zu erkennen.

Die Drohne sank weiter, bis sie weniger als zwei Meter über dem Feldweg schwebte. Dann hielt sie ihre Position. Nur minimale Bewegungen nach vorn und zur Seite verrieten, wie die Rotoren sie gegen die Luftströmungen stabilisierten. Noch war das Kameramodul auf die Leichen gerichtet. Wenn die Drohne den Waldrand absuchte, würde sie Alexandra spätestens beim Rückzug entdecken.

Sie legte das Fernglas beiseite, ging wieder hinter das Gewehr und nahm die Drohne ins Visier. Alexandra setzte den roten Glutpunkt auf den dunklen Rumpf und feuerte die Waffe ab. Das Projektil traf den Rumpf. Die Drohne kippte schlagartig zur Seite. Zwei der Rotoren drehten noch weiter, während das Gerät einen Moment taumelnd in der Luft hing. Dann stürzte es zwischen den beiden Leichen auf den Feldweg. Beim Aufprall brach das Kameramodul auseinander. Kleine Glasscherben und heller Staub stoben über den trockenen Boden.

Alexandra blieb hinter dem Gewehr liegen und wartete einige Sekunden. Nichts bewegte sich. Dann griff sie erneut zum Fernglas und suchte den Feldweg, die Rapsfelder und diesesmal auch den Himmel sorgfältig nach Beobachtern ab. Sie fand niemanden.

Alexandra packte das Gewehr und das Zweibein in die Segeltuchtasche. Anschließend sammelte sie die drei Patronenhülsen vom Waldboden auf und steckte sie in die Hosentasche.


Im Laufschritt hielt Alexandra sich in der Deckung des Waldrands und folgte dem parallel verlaufenden Feldweg durch das Unterholz. Zweige strichen über ihr Hemd, Brombeerranken griffen nach ihrer Cargohose. Zwischen den Stämmen fiel der Blick immer wieder hinaus auf den Feldweg und die Rapsfelder dahinter.

Rund zweihundert Meter westlich ihres Standorts hatte sie den elektrischen Mercedes G 580 zwischen dichten Sträuchern neben dem Feldweg abgestellt. Erst als sie fast vor ihm stand, lösten sich die kantigen Umrisse des Geländewagens deutlich aus dem Grün. Im gedämpften Licht unter den Bäumen verlor die tiefschwarze Lackierung zwischen Ästen und Blattwerk an Kontur.

Alexandra öffnete den Laderaum, verstaute die Segeltuchtasche mit dem Repetierer und das Zweibein darin und stieg ein. Wenige Sekunden später rollte der Mercedes G 580 aus seinem Versteck auf den Feldweg. Vom elektrischen Antrieb war kaum etwas zu hören. Nur der Schotter knirschte unter den Reifen. Das Fahrwerk polterte dumpf durch ausgefahrene Spurrillen und tiefe Schlaglöcher, während rechts von ihr der Waldrand zurückwich und links die offenen Felder vorbeizogen.

An der nächsten Einmündung fuhr sie auf die Landstraße und beschleunigte. Hinter ihr verschwanden die Felder und der bewaldete Höhenzug allmählich aus dem Rückspiegel.

Sie hielt sich in Richtung A1, passierte Münster und wechselte später auf die Verbindung ins Ruhrgebiet. Der Verkehr wurde dichter. Lastwagen reihten sich auf der rechten Spur aneinander, Schilder kündigten Ausfahrten und Autobahnkreuze an, Brücken und Lärmschutzwände zogen vorbei. Alexandra hielt Abstand, wechselte nur die Spur, wenn es nötig war, und sah regelmäßig in Seiten- und Rückspiegel.

Ihre Gedanken kehrten immer wieder zur Drohne zurück. Sandner hatte unzählige Feinde. Im Drogenmilieu war Überwachung nichts Ungewöhnliches. Rivalen beobachteten einander, lange bevor sie zuschlugen. Ebenso gut konnte das Gerät aber auch von einer Behörde stammen. Vielleicht vom BKA, vielleicht von jemand anderem. Sicher war nur, dass dort oben jemand mitgesehen hatte – und dass dieser jemand jetzt wusste, dass Sandner und Ostrowski innerhalb weniger Sekunden ausgeschaltet worden waren.

Alexandra strich mit den Fingerkuppen über die Haare an ihrem rechten Ohr, so wie sie es immer tat, wenn sie nachdachte. Vor ihr schob sich eine Kolonne von Fahrzeugen über die Autobahn, doch sie nahm sie nur am Rand wahr. Der scharfe Ton ihres Einsatzleiters ging ihr nicht aus dem Kopf.

Der Abbruchbefehl war in genau dem Moment gekommen, als Sandner noch lebte. Die Härte in der Stimme, der Unglaube, als Alexandra den Vollzug meldete – all das ergab nur dann Sinn, wenn die Leitstelle die Szene in Echtzeit gesehen hatte.

Alexandra ging die letzten Minuten noch einmal durch. Niemand von der KSS war in ihrer Nähe gewesen. Niemand hatte Sicht auf den Feldweg gehabt. Außer der Drohne. Langsam verdichtete sich der Verdacht. Die Leitstelle hatte die Szene beobachtet. Die Drohne war Teil der Operation.

Alexandra verzog kaum merklich den Mund. Daraus würde Schreiber ihr heute einen Strick drehen. Auf eine Gelegenheit wie diese hatte er schon lange gewartet.

„Das dürfte meine Personalakte ein wenig zu sehr beleben“, knurrte sie leise und fuhr auf den Parkplatz des Café Kleinschmidt. Falls man sie nachher aus der KSS warf, dann wenigstens satt.

Die Sturmhaube hatte sie schon nach dem Einbiegen auf die Landstraße abgenommen, die Handschuhe ausgezogen und den Haarzopf aus dem Hemd gezogen. Von der Scharfschützin am Waldrand war äußerlich nichts mehr zu erkennen. Jetzt betrat eine junge Frau mit fest gebundenem Zopf, olivgrünem Hemd und schwarzer Cargohose das Caféhaus. Ungeschminkt, ernst und praktisch gekleidet sah sie aus wie jemand, der keinen Wert auf modische Wirkung legte und in Ruhe gelassen werden wollte. Zwischen den anderen Gästen fiel sie kaum auf. Ein Blick streifte sie, ein zweiter vielleicht – dann wandte man sich wieder dem Frühstück, dem Kaffee oder dem Gespräch am eigenen Tisch zu.
Alexandra hatte lange daran gearbeitet, genau diesen Effekt zu erzielen: sich in jede Umgebung einzufügen, ohne im Gedächtnis zu bleiben. Man nahm sie wahr – und vergaß sie im selben Moment wieder.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bitte trage das Ergebnis der Rechenaufgabe ein. Das schützt diese Website vor einfachen Spam-Bots.